Ratgeber Richtig lüften:
Eine wahre Geschichte:
Montag 12. Februar
Draußen Minus 5° Grad. Rainer und Petra stehen auf, es ist 7:00 Uhr.
Energiesparen – klar also Heizung aus. Hast du das Fenster auf kipp gestellt?
Du weißt ja, die Feuchtigkeit muss raus – hat unser Vermieter gesagt.
Ab zur Arbeit. 16:00 Uhr, beide kommen von der Arbeit nach Hause.
Brrr... Ist das kalt und klamm hier im Schlafzimmer – also Fenster zu und Heizung an.
Halt, was passiert da?
Klamm? Klamm ist nichts anderes als Feucht. Die 5° Grad Minus sind den Tag über durch die gekippten Fenster in die Wände, Möbel, Betten, Gardinen, Teppiche, Wandfarben und so weiter eingedrungen. Hier hat sich Tauwasser ausgetragen.
Klar, Fenster zu und heizen – schließlich wollen wir es ja wieder warm haben.
Und nun?
Die Heizwärme erwärmt die Wand, die Möbel… – wir trocknen unsere Wohnung, was bewiesener Maßen viel Energie kostet. Aber was passiert noch?
Durch das Erwärmen holen wir die Feuchtigkeit, die sich den Tag über gesammelt hat wieder in den Raum zurück – mit allen Schadstoffen, die ebenfalls in den Wänden, Möbeln, Farben… waren!!
Warum haben wir eigentlich morgens die Heizung ausgestellt und die Fenster auf kipp gestellt? Na klar, wir wollten Energie sparen, und es sollte frische Luft da sein, wenn wir nach Hause kommen.
Herzlichen Glückwunsch Ihr habt genau das Gegenteil von dem erreicht, was Ihr wolltet. Mehr Energie kann man kaum verpulvern. Und schlechter kann die Luft nun kaum noch werden.
(in Zusammenarbeit mit BWE Bauen-Wohnen-Energie GmbH, 28857 Syke, www.bwe-nord.de, Herrn Michael Harjes)
Aber wie geht es richtig?
Aufstehen, Heizung aus, Fenster öffnen – ca. 5 Min reichen meistens schon – möglichst mit Durchzug.
Dann Fenster wieder zu und Heizung so anstellen, das die Temperatur am Tage nicht unter 16° Grad absinken kann.
Um 16:00 Uhr wieder Stoßlüften, und kurz vor dem Schlafen gehen noch einmal.
Dann haben wir zwar immer noch nicht die gewünschten 5 bis 6 mal am Tage erreicht, aber dafür müsste ja auch einer von den Beiden den Job aufgeben – also bei aller Liebe.
Aber mit der beschriebenen Methode haben die Beiden schon viel für ihre gesunde Luft und ihren Geldbeutel getan.
(Quellen
Bilder: WIRUS Fenster GmbH & Co. KG, www.wirus-fenster.de, Text: BWE Bauen-Wohnen-Energie GmbH)
Was sind die Folgen falschen Lüftens?
Zuwenig zu lüften z. B. um im Winter Heizkosten zu sparen, hat zur Folge, dass Wasserdampf, Schadstoffe, Geruchstoffe etc. nicht hinreichend entfernt werden, und dass zu wenig Sauerstoff in die Wohnung gelangt.
Schon eine Abnahme der Sauerstoffkonzentration auf unter 21% kann zu Müdigkeit oder Kopfschmerzen führen.
Warum wird richtiges Lüften immer wichtiger?
Die Gebäude waren früher nicht so luftdicht, wodurch ständig ein unkontrollierter Luftaustausch stattfand (sogen. Fugenlüftung)
Es wurden mehr Baustoffe eingesetzt, die Wasserdampf passieren ließen (sogen. diffusionsoffene Baustoffe) oder die Wasserdampf in unschädlicher Form aufnehmen können, wie Lehm, Kalkputz oder Holz.
Frühere einfach verglaste Fenster waren in aller Regel der kälteste Punkt im Raum, an dem sich das Tauwasser ohne Gefahr des Schimmelpilzwachstums niederschlagen konnte. Das Tauwasser auf den Scheiben motivierte zum Lüften.
An modernen zwei-oder dreifachverglasten Fenstern setzt sich kaum Tauwasser ab. Sie sehen nicht mehr, das Sie lüften müssten!
Viele moderne Produkte, wie Spanplatten, Möbel, Teppiche etc. können Stoffe enthalten, die allmählich ausgasen und durch ausreichendes Lüften entfernt werden müssen.
Wie wird richtig gelüftet?
Wohnung
Gerade im Winter kann die Luftfeuchtigkeit besonders effizient hinausgelüftet werden, da kalte Luft trockene Luft ist. Beim Lüften wird dann die warme, feuchte Raumluft durch die trockene Außenluft ersetzt. Wenn diese Luft sich erwärmt, steigt ihr Vermögen Wasserdampf aufzunehmen und beim nächsten Lüftungsvorgang wird dann auch dieser Wasserdampf entfernt, so dass sukzessive die in den Räumen produzierte Feuchtigkeit entfernt wird.
Keller
Einen weiteren Sonderfall stellt der Keller dar. Dieser Raum ist im Sommer kühler als die Außenluft. Wie schon erwähnt, kann Luft umso mehr Wasserdampf tragen, je wärmer sie ist. Wenn nun der Keller im Sommer tagsüber gelüftet wird, strömt warme feuchte Luft hinein, wobei sich an den kalten Kellerwänden Tauwasser bilden kann. Besser ist es, den Keller im Sommer in den kühleren Abend- oder Morgenstunden zu lüften.





